OÖ Nachrichten

7/1991: Titel: Von Beruf Heidelbeerbauer: Umstieg machte sich bezahlt

Untertitel: Ein Buchkirchner züchtet und vermarktet süße Früchtchen

Text: In das gängige Schema des fleißigen, traditionsbewußten, aber wenig flexiblen Landwirts paßt der Buchkirchner Maximilian Schosser ganz und gar nicht. Der Agraringenieur ist mehr Unternehmer als Bauer. Und als solcher geht er auch Risiken ein, die ein durchschnittlicher Landwirt nie zu wagen bereit wäre. Was Schosser angreift, ist unkonventionell. Als Absolvent der Bundesanstalt Wieselburg kam er schnell zur Erkenntnis, daß die Grenzen der Landwirtschaft nicht bei der Schweinemast und dem Getreideanbau enden.

Heute verdient sich der Buchkirchner sein Geld als Heidelbeerbauer. In Österreich ist Schosser der unumstrittene Marktleader, was auch heißt, daß er den Preis diktieren kann. Für die amerikanische Heidelbeere, eine wesentlich größere Verwandte der heimischen Waldheidelbeere, ist der Konsument inzwischen bereit, eine schöne Stange Geld zu bezahlen. Das Kilo Heidelbeeren kostet bei Schosser im Durchschnitt 75 Schilling. Das ist keine Bagatelle, und doch könnte der Landwirt jährlich bis zu 20 Tonnen mehr absetzen, als er produziert.

Um Erfolg zu haben, mußte der mit einer Lehrerin verheiratete Vater dreier Kinder eine lange Durststrecke durchmachen und viel Lehrgeld zahlen. Eine Stiermast mit 300 Stück Vieh brachte nicht den gewünschten Erfolg. Seine Princess-Bohnen wuchsen ebensowenig in den Himmel. Mit einigen Beerensorten war kein Geschäft zu machen. Anfang der achtziger Jahre kam dann der Tiefpunkt. Schosser wurde schwerkrank. Seine Nieren versagten. Eine überaus komplizierte Operation rettete ihm schließlich das Leben. "Ich war jahrelang außer Gefecht, konnte aber in dieser Zeit viel über die Zukunft nachdenken." Ein früherer Hofpraktikant brachte ihn auf die Idee, es mit amerikanischen Heidelbeeren zu versuchen. Am Inlandsmarkt lag damals das Image dieser Frucht genauso im Keller wie der erzielte Erlös. Die ersten Versuche enttäuschten. Importpflanzen aus Holland und der BRD waren nicht viel wert. Um Spezialmaschinen aufzutreiben und den Boden mit Torf und Sägespänen anzureichern, stürzte sich Schosser erneut in Schulden. Nichtsdestotrotz stellte der Landwirt auch seinen zweiten Betrieb in der Obersteiermark um. Die Landwirtschaftskammer zeigte für ein solches Treiben wenig Verständnis. Günstige Investitionskredite, wie sie jeder Landwirt sogar für einen Mähdrescher bekommt, blieben Schosser verwehrt. Und dennoch gelang ihm nach Jahren der Rückschläge und Entbehrungen, was kaum jemand für möglich gehalten hätte: Die Heidelbeere brachte Ertrag.

Verständlich, daß jetzt Schosser sein süßes "Früchtchen" in den höchsten Tönen preist: Die wochenlange Haltbarkeit, der Verzicht auf chemische Düngemittel und Pestizide, die Verarbeitungsmöglichkeiten (Marmelade, Kompott, Schnaps, Likör, Trockenfrüchte) und nicht zuletzt der leckere Geschmack. Neben Großhandelsketten zählen zu Schossers Kunden die besten Köche und Zuckerbäcker des Bundeslandes. Die Vermarktung seines Produkts besorgt er selbst. Originelle Rezepthefte bringen immer mehr Konsumenten auf den Geschmack. Einen Vorzug seines "Früchtchens" vergißt Maximilian Schosser nie zu erwähnen: "Das Fruchtfleisch meiner Heidelbeere ist weiß. Das hat jenen Vorteil, daß die Zähne beim Naschen sauber bleiben."